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Was ist Kunsttherapie?



Ich werde oft gefragt was Kunsttherapie eigentlich ist. Diejenigen, die schon einmal in der Reha waren und dort Kunsttherapie bekommen haben, kennen sie schon. Für diejenigen, die sich nichts darunter vorstellen können möchte ich hier ein paar Begriffe erläutern.

  

"Kunsttherapie ist Psychotherapie mit künstlerischen Mitteln"

 

Kunsttherapie kann innere seelische Prozesse begleiten und erfahrbar machen. Mit Kunsttherapie haben Sie die Möglichkeit für Ihre inneren Bilder einen Ausdruck zu finden, sie sichtbar zu machen und mit therapeutischer Begleitung schrittweise zu verändern. Es fällt KlientInnen meist leichter zu malen als darüber zu sprechen, was ihre Seele belastet, seien es Ängste und Befürchtungen oder immer wieder kehrende, ungeliebte Verhaltensweisen wie z.B. Stress- und Frustessen. "Ich kann gar nicht malen" denken viele. In der Kunsttherapie geht es nicht ums "Malen können" sondern um den "Malprozeß". Im Malprozeß können Sie Dinge ERLEBEN und Sichtweisen VERÄNDERN, die Ihnen sonst nicht zugänglich sind. Veränderung gelingen nicht "im Kopf", sondern im ERLEBEN. Sie geschehen nur in kleinen Schritten. Sie brauchen Zeit, Vertrauen und einen geschützten Raum, in dem Sie sich öffnen können. Ich lade Sie ein sich die Zeit zu nehmen und öffne für Sie den Raum mit meiner achtsamen therapeutischen Begleitung ...

 

"Wenn Worte fehlen sprechen Bilder"

 

Die Kunsttherapie ist eine sanfte und effektive Methode um seelisches Leiden zu lindern. Sie bedient sich dabei innerer Bilder. Jeder Mensch denkt oder träumt in Bildern. Diese inneren Bilder sind uns oft nicht bewußt. Durch den Ausdruck in der Kunsttherapie können die inneren Bilder sichtbar gemacht werden. Sichtbar gemacht dürfen sie sich verändern, der Leidensdruck kann dadurch gelindert werden. Durch spielerische Leichtigkeit mit dem künstlerischen Medium (z.B. das gemalte Bild) gelingt der Zugang zu seelischen Prozessen meist auch Klienten, die sonst eher zurückhaltend sind und sich nicht so leicht öffnen können.

 

Worin liegt der Unterschied zur künstlerischen Gestaltung?

Kunsttherapie unterscheidet sich von "normalem" künstlerischen Gestalten durch die therapeutische Begleitung. Das Ziel ist dabei nicht das fertige Kunstwerk sondern ein seelischer VeränderungsPROZESS mit Hilfe von künstlerischen Mitteln. Sie ist eine Therapieform mit der man seelisches Leiden lindern kann. Die künstlerischen Mittel und die therapeutische Begleitung sind dabei das "Werkzeug", mit denen man das Ziel - Linderung seelischen Leidens - erreichen kann.

 

"Ausdruck lindert Druck"

 

Formen der Kunsttherapie:

Kunsttherapie kann sowohl "ressourcenstärkend" wie auch "aufdeckend" sein. Ressorucenstärkend heißt, es wird gestärkt was an persönlichen Stärken/Ressourcen vorhanden ist. Damit können sich die eigenen Ressourcen vergrößern, der Klient wird stärker/stabiler und ein möglicher "Mangel" in anderen Bereichen kann sich verringern.

Aufdeckende Kunsttherapie bedeutet, dass man an tiefer liegenden (unbewußten) Konflikten arbeitet und sie dabei aufdeckt. Durch das Aufdecken können sie sich verändern und dürfen sich auflösen. Dabei geht der Therapeut sehr behutsam vor. Es wird erst dann aufdeckend gearbeitet, wenn ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Klient und Therapeut entstanden ist und der Klient sich diese Art der Therapie wünscht.

 

Die künstlerischen Mittel in der Kunsttherapie:

Man kann in der Kunsttherapie auf viele Art und Weise künstlerisch arbeiten: zeichnen, malen, basteln, töpfern, plastisches Gestalten etc. Es kommen verschiedenste Materialien zum Einsatz: Buntstifte, Bleistifte, Filzstifte, Ölkreiden, Wasserfarben, Aquarellfarben, Acrylfarben, Gouachefarben, Pastellkreiden, Papier, Pappe, Leinwand, Karton, Hartfaserplatten, Fotos, Stoffe, Zeitung, Kleber, Ton, Gips, Draht, Mosaiksteine, Modelliermassen, Speckstein, Holz, Filz, Fundstücke etc. Ausserdem gibt es Mischtechniken und Collagen aus vielen Materialien. Welche Mittel zum Einsatz kommen hängt nicht nur von den Vorlieben des Klienten ab sondern auch von dem Thema, welches gestaltet werden soll und natürlich auch von dem Zeitfenster, welches zur Verfügung steht.

 

Kunsttherapie als Einzel- oder Gruppentherapie:

Kunsttherapie kann ebenso als Einzeltherapie wie auch als Gruppentherapie stattfinden. Bei der Einzeltherapie hat der Klient die Möglichkeit ganz individuell und in seinem eigenen Tempo mit dem Therapeuten an seinen Zielen zu arbeiten. In der Gruppe wird Kunsttherapie eher ressourcenstärkend eingesetzt. Es werden z.B. vom Therapeuten Themen vorgegeben oder jeder gestaltet etwas zu seinen eigenen Themen. Anschließend werden die Werke und der Prozeß in der Gruppe besprochen. Die Ergebnisse kann der Klient dann, wenn er möchte, in der Einzeltherapie weiter bearbeiten und besprechen.


(C. Dedden)

 

 

Woher kommt die Kunsttherapie?

Die Kunsttherapie ist eine relativ junge, sich von Impulsen aus den USA und Europa aus der Mitte des 20. Jahrhunderts herleitende Künstlerische Therapie. In der Kunsttherapie wird hauptsächlich mit Medien der bildenden Kunst gearbeitet. Dazu zählen malerische oder zeichnerische Medien, plastisches Gestalten (Skulpturen) oder auch Fotografien. Durch sie können Patienten unter therapeutischer Begleitung innere und äußere Bilder ausdrücken, ihre kreativen Fähigkeiten entwickeln und ihre sinnliche Wahrnehmung ausbilden

 

 

Wo wird Kunsttherapie eingesetzt?

Die Kunsttherapie wird in klinischen, pädagogischen, heilpädagogischen oder soziokulturellen Bereichen ausgeübt, also z. B. in Krankenhäusern, Schulen, Einrichtungen der Behindertenhilfe, Museen, Gefängnissen, Altenheimen, in der Suchthilfe, in der Beratung, im Coaching, in der Supervision, in der Erwachsenenbildung und in freier beratender und therapeutischer Praxis.

 

 

Worin unterscheidet sich Kunsttherapie von anderen Psychotherapieformen?

Die Kunsttherapie unterscheidet sich von anderen Psychotherapieformen dadurch, dass zwischen Patient und Therapeut noch ein künstlerische Medium (z.B. das gemalte Bild) hinzukommt. Daraus ergibt sich ein Beziehungsdreieck: Klient – Therapeut – Medium (Werk), das auch als kunsttherapeutische Triade bezeichnet wird.[32] Damit spielen für die kunsttherapeutische Praxis drei Ebenen und ihre Beziehung zueinander eine Rolle:

 

1. Das künstlerische Gestalten am Werk

2. Die Beziehung zwischen Therapeut und Patient

3. Die Betrachtung des Werkes und seine Wirkung.[33] 

(Quelle: Vgl. Wikipedia)

 

Durch das Hinzukommen der Werkes fällt es vielen Klienten leichter über sich zu sprechen als bei der reinen "Zweierbeziehung" Therapeut-Klient. Das Werk dient sozusagen als "Unterstützung" des Klienten beim therapeutischen Prozess.

 

Das Werk wird zusammen mit dem Therapeuten nicht nur betrachtet, sondern auch besprochen. Dabei vermeidet der Therapeut das Werk zu deuten oder zu bewerten. Dem Klienten wird durch das wertfreie Feedback des Therapeuten ermöglicht zu eigenen Lösungen zu finden. (CD)